Growth Radar
Lesezeit:
6 Min.
Veröffentlicht:
02.08.2026

MORE. Growth Radar #01: Warum dein Traffic sinkt, obwohl deine Rankings stehen

Jede Woche laufen hunderte Meldungen durch SEO, KI-Suche, B2B-Leadgen und Performance Ads. Die meisten davon ändern für einen Geschäftsführer genau nichts. In der vergangenen Woche waren fünf Zahlen dabei, die zusammen etwas erklären, das gerade in vielen B2B-Unternehmen für Ratlosigkeit sorgt: Die Rankings stehen, der Traffic sinkt trotzdem.

Dieses Briefing erscheint sonntagabends, damit du am Montag weißt, worüber in deinem Markt gerade geredet wird, ohne dafür selbst 40 Quellen durchgehen zu müssen. Lesezeit rund sechs Minuten.

Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • 58 % weniger Klicks bekommt das Top-Ergebnis bei Google, sobald darüber eine KI-Antwort steht. Acht Monate zuvor lag derselbe Wert noch bei 34,5 %.
  • 94 % der B2B-Käufer nutzen KI im Kaufprozess. Im Vorjahr waren es 89 %. KI-Antwortmaschinen haben Websites, Vertrieb und Produktexperten als wichtigste Recherchequelle überholt.
  • 47 % der Käufer stellen ihren internen Business Case fertig, bevor sie zum ersten Mal Kontakt aufnehmen.
  • 63 % beträgt ChatGPTs Anteil an B2B-KI-Empfehlungen. Vor acht Monaten waren es 89 %. Claude liegt inzwischen bei 18,5 %.
  • 3,49 % Conversion-Rate erreicht Traffic aus KI-Antworten im B2B, gemessen über 97 Websites und 29 Millionen Visits. Das liegt spürbar über klassischem organischen Traffic.

Was der MORE. Growth Radar ist

Wir scannen jeden Morgen die relevanten Quellen aus fünf Bereichen: SEO, GEO und AEO, B2B-Leadgen, Performance Ads und KI im Marketing. Jedes Signal läuft danach durch eine einzige Prüffrage.

Ändert das eine Entscheidung für einen B2B-Geschäftsführer?

Alles, was diese Frage nicht besteht, fliegt raus. Was übrig bleibt, wird gegen unsere eigene Arbeitshypothese gescort: Suchmaschinenoptimierung und KI-Sichtbarkeit sind nicht zwei Disziplinen, sondern eine mit einem neuen Ziel. Und Marketing verschiebt sich dabei Richtung Engineering. Sonntagabends erscheint hier die Kurzfassung mit allen Quellen, rechtzeitig vor der neuen Woche.

Das Format ist bewusst kein Newsletter voller Branchengeflüster. Fünf Zahlen, eine Einordnung, eine Handlungsempfehlung.

Signal 1: Platz 1 verliert 58 % seiner Klicks

Ahrefs hat 300.000 Keywords über Google Search Console ausgewertet und die Klickraten von Dezember 2023, also vor den AI Overviews, mit Dezember 2025 verglichen. Steht über dem Suchergebnis eine KI-Antwort, verliert die top-rankende Seite 58 % ihrer Klicks. Acht Monate zuvor lag derselbe Wert noch bei 34,5 %.

Betroffen ist nicht nur Platz 1. Position zwei verliert rund die Hälfte ihrer Klicks, und selbst Platz zehn büßt noch knapp 20 % ein. Die ganze erste Seite rückt nach unten.

Wie oft das überhaupt passiert, hängt stark von der Suchanfrage ab. Über 146 Millionen ausgewertete Suchergebnisseiten hinweg erscheinen AI Overviews bei rund 21 % aller Keywords. Bei Einwort-Suchen sind es nur 9,5 %, bei Fragen ab sieben Wörtern dagegen 46,4 %. Also genau dort, wo B2B-Recherche stattfindet. Was das für die Google-Sichtbarkeit von Unternehmen bedeutet, haben wir in unserem Beitrag zu Google KI Overviews ausführlicher aufgeschrieben.

Was das für dich heißt: Deine Position bei Google ist weiterhin die Voraussetzung für Sichtbarkeit, aber sie ist nicht mehr gleichbedeutend mit einer Anfrage. Der Nutzer liest die Antwort oben und scrollt in vielen Fällen gar nicht mehr bis zu deiner Seite.

Der Reflex, der uns aktuell in fast jedem Erstgespräch begegnet, ist das Kürzen des SEO-Budgets. Das halten wir für den teuersten Fehler, den man in diesem Jahr machen kann. Google baut diese KI-Antworten aus genau den Seiten zusammen, die organisch stark sind. Wer dort als Quelle steht, ist oft die einzige Marke, die der Nutzer überhaupt noch wahrnimmt.

Signal 2: 94 % der B2B-Käufer recherchieren dich zuerst in einer KI

Forrester hat für den 2026 Buyers' Journey Survey 18.000 Einkäufer weltweit befragt. 94 % nutzen KI im Kaufprozess, nach 89 % im Vorjahr. Zum ersten Mal liegen KI-Antwortmaschinen als Recherchequelle vor Anbieter-Websites, Vertriebsmitarbeitern und Produktexperten.

Was das für dich heißt: Wenn dein Website-Traffic seit Monaten leise sinkt und niemand im Team eine gute Erklärung hat, liegt das selten am Marketing-Team. Die Recherche ist eine Ebene nach vorne gewandert, an eine Stelle, an der du bisher nicht optimiert hast. Ob dein Unternehmen dort überhaupt vorkommt, kannst du mit diesem Check für ChatGPT-Antworten selbst prüfen.

Signal 3: 47 % entscheiden vor dem ersten Kontakt

Aus derselben Forrester-Erhebung: 55 % der Käufer vergleichen Anbieter direkt in KI-Tools, 47 % bauen ihren internen Business Case komplett fertig, bevor sie überhaupt Kontakt aufnehmen. Eine Aufbereitung der Buyer-Journey-Daten zeigt dasselbe Muster über mehrere Branchen hinweg.

Was das für dich heißt: Der halbe Kaufprozess läuft ab, bevor dein Vertrieb im Raum ist. Diesen Teil kaufst du dir nicht mit mehr Ads zurück. Wenn das Modell dich beim Vergleich nicht nennt, stehst du nicht auf der Shortlist, und du erfährst nie davon. Genau das macht diesen Kanal so unangenehm: Es gibt kein Lost-Deal-Feedback für Anfragen, die nie entstanden sind.

Signal 4: Der KI-Markt fragmentiert schneller als erwartet

ChatGPTs Anteil an messbaren B2B-KI-Empfehlungen ist innerhalb von acht Monaten von 89 % auf 63 % gefallen. Claude ist im selben Zeitraum von 1,4 % auf 18,5 % gewachsen, so der AI Search Traffic Report 2026.

Was das für dich heißt: "Bei ChatGPT sichtbar sein" ist als Zielsetzung schon jetzt zu eng. Die verschiedenen Modelle ziehen ihre Antworten aus unterschiedlichen Quellen, mit teils sehr geringer Überlappung. Wer nur ein Modell prüft, misst ein Viertel der Realität.

Praktisch heißt das: Sichtbarkeit in KI-Antworten braucht ein eigenes Monitoring über mehrere Modelle hinweg, kein einmaliges Anekdoten-Testing im Browser. Welche Maßnahmen dabei heute schon messbar wirken, haben wir in unserer Übersicht zu GEO-Strategien gesammelt.

Signal 5: Wenig Volumen, beste Qualität

Eine Auswertung von Orbit Media über 97 B2B-Websites und 29 Millionen Visits zeigt für Traffic aus KI-Antworten eine Conversion-Rate von 3,49 %. Der Anteil am Gesamt-Traffic liegt dabei häufig noch im Bereich von einem Prozent oder darunter.

Was das für dich heißt: Der übliche Einwand "KI bringt uns doch kaum Traffic" stimmt beim Volumen und verfehlt trotzdem den Punkt. Es ist das am besten konvertierende Prozent, das viele B2B-Unternehmen gerade haben. Wer bis zum Volumen wartet, steigt in einen Kanal ein, in dem die Positionen längst verteilt sind.

Zur Einordnung: Die Studienlage zur Höhe des Vorsprungs ist noch uneinheitlich. Einzelne B2B-Auswertungen zeigen ein Vielfaches gegenüber klassischem Organic, andere einen moderaten Vorsprung. Die Richtung ist in allen Auswertungen dieselbe, die genaue Größenordnung solltest du für dein eigenes Setup messen statt sie aus Studien zu übernehmen.

Was die fünf Zahlen zusammen ergeben

Einzeln sind das fünf Meldungen. Zusammen beschreiben sie eine Verschiebung, die sich in einem Satz zusammenfassen lässt.

Die Kaufentscheidung wandert vor deinen Funnel.

Sie fällt nicht mehr auf deiner Website, sondern in einer Antwort über den Suchergebnissen, die deine Website höchstens noch zitiert. Dein Ranking bringt dir weiterhin etwas, es ist nur nicht mehr der Ort, an dem entschieden wird.

Für die Arbeit im Marketing bedeutet das eine ziemlich konkrete Verschiebung: weg vom Ziel, für ein Keyword zu ranken, hin zum Ziel, die Quelle zu sein, aus der die Antwort gebaut wird. Wichtig dabei, weil es aktuell fast überall anders verkauft wird: Das sind keine zwei getrennten Disziplinen, für die du zwei Budgets brauchst. Es ist dieselbe Arbeit an derselben Seite, nur mit anderer Priorisierung. Sie ist weniger eine Text-Aufgabe und mehr eine Struktur-Aufgabe. Klare Definitionen, belegte Zahlen mit Quelle und Datum, saubere Vergleichstabellen, benannte Kundenstimmen, eine erkennbare Haltung statt austauschbarer Fließtexte.

Was du diese Woche konkret tun kannst

  1. Kauffragen testen. Nimm die fünf Fragen, die deine Kunden vor einem Kauf wirklich stellen, und gib sie in ChatGPT, Claude, Perplexity und Google AI Mode ein. Notiere, wer genannt wird und wer nicht.
  2. KI-Traffic sichtbar machen. Lege in deiner Analytics-Umgebung ein Segment für Referrals aus KI-Quellen an, damit du die Entwicklung überhaupt messen kannst.
  3. Die drei wichtigsten Seiten zitierfähig machen. Definition oben, konkrete Zahlen mit Quelle und Datum, ein FAQ-Block am Ende. Wie solche Inhalte aufgebaut sein müssen, damit Modelle sie sauber lesen, steht in unserem Leitfaden zu KI-first Content.
  4. Nicht am SEO-Budget kürzen. Die Modelle bedienen sich aus dem Web. Ohne organische Substanz kommst du auch in den Antworten nicht vor.
  5. Eine KPI ergänzen. Nimm die Anzahl der Citations pro Modell ins Monatsreporting auf, nicht nur Rankings und Sessions.

Kurz erklärt: SEO, GEO und AEO

SEO (Search Engine Optimization) bezeichnet die Optimierung einer Website für die Platzierung in klassischen Suchergebnissen, also für Rankings und Klicks über die blauen Links.

GEO (Generative Engine Optimization) bezeichnet die Optimierung von Inhalten und Strukturen mit dem Ziel, in den Antworten generativer KI-Systeme wie ChatGPT, Claude, Perplexity oder Google AI Overviews als Quelle zitiert und empfohlen zu werden.

AEO (Answer Engine Optimization) wird häufig synonym zu GEO verwendet und betont den Aspekt, direkte Antworten auf konkrete Fragen bereitzustellen, statt auf Keywords zu optimieren.

In der Praxis sind das keine drei Projekte, sondern drei Namen für dieselbe Arbeit an derselben Website. Modelle bedienen sich aus dem indexierten Web, deshalb gibt es KI-Sichtbarkeit nicht ohne solide Suchmaschinenoptimierung. Wer dir GEO als separates Paket neben deinem bestehenden SEO verkauft, verkauft dir in den meisten Fällen dasselbe Budget zweimal. Den Vergleich der beiden Disziplinen haben wir in GEO vs. SEO im Detail auseinandergenommen.

Ahrefs erklärt in seinem AEO-Kurs kompakt, welche drei Arten von KI-Sichtbarkeit es gibt und wie sie sich messen lassen:

Quellen

Über MORE. Growth

MORE. Growth ist eine AI-native B2B Growth Agentur aus Berlin. Wir bauen für B2B-Unternehmen ein System aus vier Layern, Demand, Conversion, Tracking und Scale, das planbare Anfragen erzeugt statt Einzelmaßnahmen abzuarbeiten. Sichtbarkeit in Google und in KI-Antworten behandeln wir dabei als eine Aufgabe, nicht als zwei Budgets.

Wenn du wissen willst, wie dein Unternehmen aktuell in Google und in KI-Antworten dasteht: In der Digitalen Potenzialanalyse gehen wir genau das durch, mit deinen echten Kauffragen und deinen echten Zahlen.

Der MORE. Growth Radar erscheint jeden Sonntagabend. Ausgabe #02 folgt am 09.08.2026.

August 2, 2026

FAQs

Ist SEO durch KI-Suche tot?
Nein. Die Auswertungen zeigen einen Rückgang der Klickrate, keinen Rückgang der Relevanz. KI-Antworten werden überwiegend aus Seiten gebaut, die organisch stark sind. Der Job hat sich verschoben, er ist nicht weggefallen.
Wie schnell wirkt Optimierung auf KI-Sichtbarkeit?
Deutlich schneller als klassische Ranking-Arbeit. In unseren laufenden Projekten sehen wir erste Citations in KI-Antworten typischerweise innerhalb von zwei bis vier Wochen nach dem Setup, in einer Phase, in der klassische Rankings noch keine Bewegung zeigen.
Wie messe ich, ob mein Unternehmen in KI-Antworten auftaucht?
Im ersten Schritt manuell über die typischen Kauffragen deiner Zielgruppe, geprüft über mehrere Modelle hinweg. Für laufendes Monitoring gibt es inzwischen mehrere spezialisierte Plattformen zur Messung von KI-Sichtbarkeit.
Lohnen sich Ads in KI-Systemen?
Bezahlte Platzierungen in KI-Systemen sind seit Juli 2026 breiter verfügbar. Aus unserer Sicht ist die organische Sichtbarkeit im Modell zuerst dran. Wer sie hat, zahlt später weniger für das gleiche Ergebnis.
Für wen ist das Thema noch nicht dringend?
Für Unternehmen ohne nennenswerten organischen Kanal und mit rein persönlichem oder lokalem Vertrieb ist der Effekt heute gering. Für alle B2B-Anbieter, deren Käufer vor dem Erstkontakt recherchieren, ist er es nicht.

Kein Pitch. Keine Verpflichtung. Nur echte Daten zu deiner aktuellen digitalen Sichtbarkeit.

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